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Manchmal fragt man sich wirklich...

Da werde ich doch tatsächlich als "verbohrte Moslemfreundin" beschimpft, weil ich mich in einer Diskussion auf das verfassungsmäßig garantierte Grundrecht auf Religionsfreiheit berufe.
Okay, vermutlich fällt diese intellektuelle Fehlleistung ja dann wieder unter das verfassungsmäßig garantierte Grundrecht auf Meinungsfreiheit, aber wer selbst verfassungsmäßig garantierte Grundrechte für sich in Anspruch nehmen möchte, der sollte dann auch davon ausgehen, dass andere das ebenfalls tun (dürfen). Und zwar, ohne zuvor seine werte Einwilligung dazu eingeholt zu haben.

Und, um es ein weiteres Mal klarzustellen: ICH BIN ATHEISTIN.
Mir persönlich wäre es am liebsten, wenn es GAR KEINE Religionen gäbe. Meiner Meinung nach sollte niemand auf den Knien vor irgendwelchen Altären rumrutschen und sich auch niemand von irgendwelchen religiösen Würdenträgern, die behaupten, das Wort einer höheren und nicht anzweifelbaren Macht zu verkünden, vorschreiben lassen, was er glauben und wie er im Konsens dieses Glaubens sein Leben führen soll.
Allerdings bin ich gleichzeitig auch das, was ich von jedem Gläubigen erwarte, nämlich tolerant. Von mir aus darf also ungeachtet meiner eigenen Preferenzen jeder an die Zahnfee glauben, die ihm genehm ist. Von mir aus darf er/sie seine/ihre Ernährung, Kleidung, Lebensweise gern an die imaginären Wünsche dieser speziellen Zahnfee anpassen - oder wohl eher an jene des betreffenden religiösen Würdenträgers. Von mir aus kann er dieser Zahnfee sein Leben widmen, zu ihr beten und hoffen, dass sie ihn erhört, bis er Hornhaut an den Knien und Schwielen an der Stirn hat. Denn unsere Verfassung erlaubt ihm genau das - die Ausübung seiner Religion.

Meine Toleranz endet allerdings genau an dem Punkt, an dem ich dafür gerügt werde, einem Gläubigen einer anderen Religion die gleichen Rechte zuzugestehen, die die Religion des Rügenden als selbstverständlich erachtet. Meine Toleranz endet, wenn ich dafür angefeindet werde, nicht an die selbe - in jedem einzelnen Fall einzig wahre - Zahnfee zu glauben. Meine Toleranz endet, wenn andere Religionen angefeindet und deren freie Ausübung kritisiert bzw. deren Unterbindung gefordert wird. Meine Toleranz endet da, wo sie ihrerseits auf das Fehlen jeglicher Toleranz trifft. Und diese Erfahrung beschränkt sich nicht auf eine einzige Religion, auch wenn diverse Intolerante das gern behaupten. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie sehr doch das Sprichwort von den Splittern und Balken in den Augen zutrifft.

Jede einzelne Religion lehrt den Frieden und die Toleranz. Und in jeder einzelnen Religion gibt es Menschen, die in ihrer "heiligen Schrift" darum herumzulesen scheinen, oder eben auch um gewisse Artikel unseres Grundgesetzes, so lange sie ihren eigenen Vorstellungen nicht entsprechen. Und damit tun sie genau das, was sie denen, die sie kritisieren, vorwerfen. Und sie sind noch nicht einmal in der Lage, das zu erkennen. Vermutlich ist es ja DAS, was man als "blinden Glauben" bezeichnet.




https://www.facebook.com/heidi.langer.9/posts/2057099754361517

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Schweinderl